[Ortsgespräch]   [Ortsgespräch-Archiv]

Woche

Montag, 06. September 2010

Gute Fahrt und Gottes Segen

200 Biker feiern mit Roland Breitenbach in Wülfershausen einen Motorradgottesdienst

WÜLFERSHAUSEN · An die 200 Motorräder parkten am Sonntagnachmittag im Bereich des Spiel- und Festplatzes in Wülfershausen. Zum zehnten Mal fand dort ein Motorradgottesdienst mit Pfarrer Roland Breitenbach aus Schweinfurt statt.

Eigentlich wollte der Pfarrer auf Augenhöhe mit den Bikern Gottesdienst feiern, stieg dann aber doch auf die Ladefläche eines Bierlasters, wo der Altar aufgebaut war. Das Evangelium sei eine Einladung zum neuen Denken, sagte der Geistliche und betete mit den Motorradfahrerinnen und Motorradfahrern auch den Biker-Psalm.

Wirklich frei sein
Pfarrer Roland Breitenbach ging auf das Bibelwort ein, wonach man Frau und Mutter geringer achten sollte, um ein Jünger Jesu zu sein. In der Antike habe dies einen anderen Sinn gehabt, sagte der Pfarrer. Es sei dem „nicht zuwenden“ gleichzusetzen. Ein Leben als Christ sei also so zu verstehen, dass man den Weg allein geht und ungebunden ist.

„Wer dem Evangelium folgen will, muss frei sein“, betonte der Geistliche. Das bedeute letztendlich auch, dass es keine Familienbande geben sollte. Das bedeute aber auch, dass man auch sein Kreuz allein tragen müsse. Selbstständigkeit sei gefragt. Pfarrer Breitenbach nannte das Beispiel von einem Muttersöhnchen, das nie erwachsen und selbstständig wird. „Wer Angst hat, wird nicht frei“, fügte er an.

Die Freiheit wiederum fordere eine ständige Auseinandersetzung. Jesus sei vor mehr als 2000 Jahren schon ein freier Mensch gewesen. Unter diesem Aspekt gesehen, könne die katholische Kirche auch die derzeitige Krise überwinden. „Jesus lässt sich nicht einsperren“, sagte der Pfarrer und meinte, dass gerade deshalb dieser Lebensstil denjenigen auch zugängig wird, die abseits der Kirche stehen. Mit Unverständnis reagierte der Geistliche angesichts der Flutkatastrophe auf die Reichen in Pakistan, die lieber ihre eigenen Ländereien sichern, als den armen Flüchtlingen zu helfen. Sie würden die Wassermassen mit viel Geldaufwand von ihrem Grundstück umleiten, was die Katastrophe für die Armen nur noch schlimmer mache. Breitenbach bat deshalb die Gottesdienstbesucher um eine Spende für die Opfer.

Weihwasser reichte aus
Im Anschluss an den von einer Band musikalisch umrahmten Gottesdienst nahmen die Biker dann den beliebten Pfarrer in einem Beiwagen mit auf eine Rundfahrt durch den Ort. Allen voran fuhr der Geistliche, hinter sich an die 200 Biker, die mit Motorengedröhne durch die Dorfstraßen fuhren. Dazu gehörte auch ein kleiner Junge, der auf einem Kleinstmotorrad mitfuhr und bei Pfarrer Breitenbach besondere Beachtung fand.

Alles aufgepackt hatte ein anderer Motorradfahrer, der mit Frau und zwei Kindern zur Segnung angereist war. Kein Wunder, dass Pfarrer Roland Breitenbach erst einmal durchzählte, damit auch für jeden Biker Weihwasser übrig war. Was wieder auffiel, war nicht nur die große Anzahl derer, die den Gottesdienst mitfeierten, sondern auch die persönlichen Worte, die Pfarrer Roland Breitenbach an die Biker richtete, und das gute Miteinander vor Ort.

© Hanns Friedrich
© Fotos: Hanns Friedrich
Quelle: Schweinfurter Volkszeitung


redaktion@ 17:17 Uhr

Gedankengänge zur Zeit

Eins ist nötig:
Das Herz
auf dem neuesten
Stand zu halten.
©j.g.


redaktion@ 10:42 Uhr

Sonntag, 05. September 2010

Bischof Jacques Gaillot zum 75.
Das Buch "Die Freiheit wird euch wahr machen" erscheint am 11.9.

Es gibt wenige Bischöfe, die nicht nur die Not und den Reformstau ihrer Kirche sehen, sondern mit positiver Kritik zu mutigen Schritten mahnen, sie trotz des großen Risikos selber entschlossen gehen. Hie und da ist von zornigen alten Männern im Bischofsamt zu hören und zu lesen, die wenigstens im Ruhestand den Finger auf die Wunden legen und die Hauptprobleme benennen.

Jacques Gaillot, der am 11. September 2010 in Paris seinen 75. Geburtstag feiert, hatte dagegen den Mut, schon als junger Bischof die römischen Strömungen dort zu unterlaufen, wo sie gegen das Evangelium gerichtet waren. Er nutzte für seine Visionen vor allem die Medien und zeigte keinerlei Berührungsängste gegenüber gesellschaftlichen Gruppen und Überzeugungen, die in der Kirche noch nicht ihren Platz gefunden hatten.

Weil es dem Bischof um das Evangelium Jesu und den Glauben der Menschen ging, setzte er auf die allen geschenkte Freiheit, damit die erlösende Kraft und die befreiende Wahrheit der Frohen Botschaft bei den Menschen auf der Straße ankommen konnte.


redaktion@ 16:54 Uhr

Mit dem Segen durch die Woche

Zum 23. Sonntag im Jahreskreis


Möge dir aus jeder Begegnung mit anderen Menschen etwas bleiben:
• ein bisschen Zärtlichkeit für deine Haut;
• ein bisschen Wärme für dein Herz;
• ein bisschen Ordnung für deine Gedanken;
• ein bisschen Trost für dein Gestern;
• ein bisschen Zuversicht für dein Morgen.
• Aber immer die Freiheit, zu geben und zu nehmen.



redaktion@ 05:52 Uhr

Samstag, 04. September 2010

Die Seele finden
Jakobus-Radwallfahrt am 8. September

Die Radwallfahrt, mit Start um 9 Uhr, ab Innenhof der Gemeinde führt zu fünf spirituellen Stationen: Zur jüngst renovierten Wallfahrtskirche in Eckartshausen, sowie zu den Jakobuskirchen in Schraudenbach, Binsbach und Gadheim. Die Radwallfahrt endet im Kloster Oberzell. Thematisch geht es um die Seele des Menschen, die in nicht wenigen Fällen wieder frei gelegt werden muss. Rückfahrt am Abend mit der Bahn.


redaktion@ 05:29 Uhr

Freitag, 03. September 2010

Zeug gibt‘s

Immerhin 47 Dienstjahre hat Roland Breitenbach auf dem Buckel, seit Mittwoch ist er noch immer Pfarrer und Ruheständler, aber „trockener“, als ihm das Bischof Friedhelm mitteilte, geht's nimmer.
Der von Breitenbach zur Verfügung gestellte Originaltext lautet: „Mit Wirkung vom 1. September 2010 bewillige ich Hochwürdigem Herrn Roland Breitenbach die erbetene Resignation und versetze ihn mit gleichem Datum in den dauernden Ruhestand.“

Quelle: Schweinfurter Volkszeitung


redaktion@ 18:03 Uhr

Gedankengänge zur Zeit

Wer
befreien will,
muss selbst
frei sein
©rb


redaktion@ 08:35 Uhr

Donnerstag, 02. September 2010

Sich (heraus)fordern lassen

Ein Kyrieruf zum 23. Sonntag

• Das Evangelium, Einladung zu neuem Denken, um dem Leben zu trauen: Herr, erbarme dich.
• Das Evangelium, Einladung zum anderen Handeln, um Partei zu ergreifen für die Schwachen: Christus, erbarme dich.
• Das Evangelium, Einladung zur Freiheit, um Ja oder Nein zu sagen zur rechten Zeit: Herr, erbarme dich.

Unser wöchentlicher Liturgieletter kann über den nebenstehenden 3. Reiter (von oben) bestellt werden.


redaktion@ 07:20 Uhr

Mittwoch, 01. September 2010

Bischöfliche Verabschiedung
„Bis hierher und jetzt weiter“

“Mit Wirkung
vom
1. September 2010
bewillige ich
Hochwürdigen
Herrn
Roland Breitenbach …
die erbetene
Resignation
und versetze ihn
mit gleichem Datum
in den dauernden
Ruhestand.“

+Friedhelm


redaktion@ 05:45 Uhr

Das Ortsgespräch am Mittwoch

Wahrheit in Fesseln

Ursprünglich wollte ich Journalist werden. Als Halbwüchsiger verdiente ich mir mein Taschengeld bei einer kleinen Unterfränkischen Zeitung. Spätestens während des Praktikums in einem größeren Blatt bekam ich zu spüren, wie nachteilig es sein kann, offene Kritik an ungerechten oder faulen Zuständen zu üben. Meine Vision blieb dennoch das Jesuswort: „Die Wahrheit wird euch frei machen.“

Dem späteren Bischof Josef Stangl verdanke ich es, dass ich einen anderen Weg eingeschlagen habe. Die Vision ist geblieben, auch unter der Erfahrung, dass es die Wahrheit in der Kirche besonders schwer hat.

Wenn es eines Beweises bedurft hätte, vor kurzem haben ihn die deutschen Bischöfe geliefert. Michael Broch wurde zum Rücktritt von seinem Amt als geistlicher Direktor der katholischen Journalistenausbildung gedrängt. Seine Sünde? In einem Interview für eine kleine Zeitung hatte er offene Kritik an Kirche, Bischöfen und Papst geübt. Kritische Worte, wie sie überall auf der Straße zu hören sind und von der überragenden Mehrheit der Katholiken geteilt werden.

Vermutlich brachte der Satz des bisherigen geistlichen Direktors, der „Papst werde die Kirche an die Wand fahren“, den konservativen Teil der Bischöfe in Rage. Dazu der 82jährige Gründer dieses renommierten Instituts, Jesuitenpater Wolfgang Seibel: „Ich halte den Papstkult, den Personenkult, der um den Papst getrieben wird, für eines der Grundübel der katholischen Kirche. … Der Papst ist auch ein Mensch und man darf ihn auch kritisieren.“

Also sprach Zarathustra: „Schweigen ist schlimmer; alle verschwiegenen Wahrheiten werden giftig“. Nicht nur Katholiken fragen sich: Wann werden die Verantwortlichen je verstehen?

Weiter zum Archiv


redaktion@ 05:42 Uhr